Der 73. Geburtstag von Lama Zopa Rimpoche

Vor eingen Tagen genauer gesagt am 3. Dezember kam der Lama des klosters, Lama Zopa Rimpoche, nach Kopan. Es war sein 73 Geburtstag. An diesem Tag war klar, dass er uns bald im LAMRIM unterrichten wird. Doch zuvor gab es eine Feier zu Ehren seines Geburtstages. Vor der großen Gompa wurde sein Tron aufgebaut und alles, was zu seiner Geburtstags-Zeremonie gehört arrangiert. Das Wetter war wunderbar, klarer blauer Himmel und feinste Sonne. Nonnen und mÖnche kamen aus der ganzen Welt um ihn zu ehren. Ich hatte dabei das Vergnügen eine alte Nonnen kennen zu lernen. Ihr Name ist „Mama Max“. Wir saßen zusammen auf einer der Bänke vor der Gompa und sie schilderte mir in einer Sanftmut wie sie zum Buddhismus kam und Lama Zopa ihr Herz gewann. Mama Max war in den fünfziger Jahren in Deutschland. Ursprünglich kam sie aus Amerika. Sie wollte in München eine Ausbildung zur Pilotin machen, was ihr jedoch vergönnt blieb. Über einen langen Umweg kam sie dann Anfang der sechziger Jahre nach Nepal und nahm Zuflucht zum Lama und dem Buddhismus. Ihr Augen strahlten wie die eines Kindes zu Weihnachten als sie mir ihre Lebensgeschichte schilderte. Sie hielt meine Hand wie es eine Großmutter tut, wenn sie mit ihrem Enkel spricht. Es hat mich sehr berührt sie so zu sehen. Irgendwann stand sie auf und suchte sich einen schattigen Platz um der Zeremonie zu folgen. Wir verabschiedeten uns mit gefalteten Händen und einen herzlichen Lächeln. „Wie wenig es bedarf um Happiness zu geben und zu empfangen“, dachte ich mir in diesem Moment. Als Lama Zopa in einem Auto auf den Hof des Klosters fuhr wurden allen stumm. Es schien als wären alle innerlich voller Vorfreude ihn zu sehen und die Energie durch seine Anwesenheit aufzusaugen. Als ich ihn sah, für mich war es das erste mal ihm live zu begegnen, sah ich einen Mann der etwas von einem weisen Großvater hat. Voller Güte und Witz ging er ganz langsam Schritt für Schritt die Stufen zum Platz vor der Gompa hoch. Gestützt von einem Mönch an seiner Seite. Alle verbeugten sich erfwürdig in seine Richtung. Einige der Anwesenden hatten eine „Kata“ einen Schla den sie dem Lama entgegenhielten. Lama Zopa nahm sich die Zeit und segnete jeden einzelnen und legte die Kata über ihre Köpfe. Nach einer guten halben Stunde kletterte er dann auf seinen Tron und setzte sich. Alle warteten darauf, dass die Gebete losgingen. Ein Mönch mit sehr tiefer Stimme fing an Gebete zu rezitieren. Die Stimmung war wirklich ergreifend. Die ganze Geburtstags-Zereminei ging sicher vier bis fünf Stunden. Immer wieder gab es Gebete, es gab ein Geburtstagskuchen-Offering bei dem der Kuchen vom Lama zum Wohle aller Lebewesen auf der Welt offerierte (das Offering ging sehr lang, da Lama Zopa wirklich kein Lebewesen in seiner Ansprache auslies). Von Ameisen über Fische bis hin zu Verstorbenen aus vorherigen Leben und so weiter. Da wurde mir zum ersten mal klar wie viel Mitgefühl dieser Mann, der mich an JODA erinnerte, in sich trug und trägt. Es gab eine tibetische Tanzaufauführung mit tibetischem Gesang und alle waren verzaubert von dem kunterbunten Spektakel vor der Gobmpa. Mir gab es einen Vorgeschmack für die nun folgenden Teachings, die wir jeden Tag haben werden würden. Ausdauer im Sitzen war gefragt, denn Pausen kennt der Mann nicht.

Techings mit Lama Zopa Rimpoche

Der Tagesablauf hatte sich nicht geändert. Es gab von Morgens bis Abends ein straffes Programm. Dazu kam, dass wir die sogenannten „Acht Mahayana Precepts“ genommen hatten. Dies bedeutete unter Anderem nur eine Malzeit am Tag (Mittagessen), sonst nur Tee und keine Milchprodukte. Kein Lügen, kein Stehlen, kein Töten. Ein noch gleichmütigerer und herzlicherer Umgang untereinander und kein Tabak- noch Alkoholkonsum. Das mit dem Tabak habe ich nicht so eng genommen, Schande über mein Haupt. Alles andere war gut zu machen. Das Essen zum Mittag hat extrem gut geschmeckt, sicher auch, weil ich es mehr genoss als sonst. Hatte also alles seinen Sinn. Nun zu den Teachings. Jeden Tag ab 3:30 Uhr Ortszeit fanden sich alle, auch Interessierte die nicht am Kurs teilnahmen, in der Gompa ein. Dann fingen alle an das Mantra „OM MANI PEDME HUM“ zu singen. Eine irre Erfahrung muss gestehen. Nach guten 20 Minuten Brummen und Gemurmel kam der Lama mit einigen Assitenten in die Gompa, ging langsam zum Altar und machte seine drei Niederwerfungen. Dann kletterte er auf seinen Tron und erst dann durften wir uns auf die Kissen setzen. Stille, einfach nur Stille. Keiner machte einen Mucks. Alle sahen zum Lama und warteten darauf, bis er wieder das Gebet eroffnete und der Mönch mit der tiefen Stimme mit ihm einsetze um die Gebete vorzutragen. Wir Kursteilnehmer murrmelten so gut es ging mit. Ich persönlich schloss immer meine Augen und gab mich dem Gesang hin. Nach den Gebeten war wieder kurz Ruhe im Saal. Lama Zopa wippte von Links nach Rechts und sah uns alle an. Was in seinem erleuchteten Kopf vorsich ging weiß ich nicht, wüßte es aber gern. Dann gab es stets ein Lachen. Ein kindliches lauten Lachen. Das uns wiederum alle zum Lachen brachte. Dieser Mensch hat eine so heftige Aura, die auf der einen Seite zeigt, wie einfach und unwichtig wir alle sind (damit meine ich uns Menschen die sich oft viel zu wichtig nehmen) auf der anderen Seite zeigt sie, wie viel Wissen um das Dasein dieser Mensch in sich trägt. Da sitzt ein alter Mann, mit kindlichem Verhalten und gleichzeitig unglaublicher Weisheit auf einem Tron (Holzstuhl) und zeigt allen in der Gompa, wie verrückt sie eigentlich sind. Wie unwichtig im Sinne von aufgeblasenem EGO, wie selbstverliebt und mit großem Mangel an Willenskraft zum Wohle anderer zu leben, sei es Menschen oder Tiere. Ich kann nicht in Worte fassen, was dierser Mann mir persönlich klar gemacht und wie unwissend ich bin, aber ich bin ihm for all dies unendlich dankbar.

Seine Teachings sind durchzogen von Heiterkeit, Ernsthaftigkeit, Gleichmut, Witz und unendlicher Güte. Er betont bei jedem Teachning die Wichtigkeit von Gleichmut anderen gegenüber. Er weiß es zu schildern was wichtig ist im Leben und wie man es schaffen kann sich und andere Lebewesen glücklich zu machen. Themen wie Happiness, Zorn und die Nichtexistens des „EGO-Ichs“ vermag er so einfach und einprägsam zu vermitteln wie es kein Buch dieser Welt schaffen kann. Es bleibt nichts anderes übrig, als diesen Mann in sein Herz zu schließen und seinen Worten wie Musik zu folgen, wenn man den Anspruch an sein eigenes Leben hat, dieses zum Wohle anderer zu ändern und seinen eigenen Unsinn hinsichtlich Gedanken und Emotionen die Ärger und Unwohlsein im eigenen Leben abzulegen um einfach nur glücklich zu sein. Vielleicht nicht immer glücklich in jeder Sekunde, aber das Verhältnis von Glück zu Unglück zu Gunsten des Glücks zu verschieben. Es ist wirklich erstaunlich was hier mit vielen Teilnehmern passiert. Ich erfahre von Menschen die ich bis dahin nicht kannte, wie emotional sie werden, wie viele versuchen wahrhaftig etwas ändern zu wollen. Ich komme mit Menschen ins Gespräch, weil sie mich darauf aufmerksam machen, welche positive Ausstrahlung ich entwirckelt habe. Also wenn ich es nicht besser wüßte, würde ich denken, ich spinne. Ja es ist auch gruselig und ich erwische mich oft dabei, wie ich versuche das alles zu ignorieren. Ich sage mir dann sowas wie: „Ah bleib mal lieber skeptisch. Du weißt das Leben ist oft nicht so toll.“ Wie bescheutet oder? Ich verbiete mir dann selbst, einfach nur zu sein, ohne Stress im Kopf und was da sonst so gebrodelt hat in der Vergangenheit.

Let’s share happiness to benefit aaaaaaaaaaaaaaall the sentience beings.

Manchmal gibt es aber auch klare Ansagen vom Lama. Dann ist er gar nicht lustig. Er schreit dann förmlich ins Mikro. Lacht danach aber und entschuldigt seine lauten Worte. Er meinst dann immer, er müsse so laut werden, damit wir das auch ja im Kopf behalten. Er hat so seine Tricks. Er meint es nicht böse, das ist klar. Um so authentischer sind seine Teachings und damit verbunden sein absolute Absicht uns nur Gutes zukommen wollen zu lassen. Zwischendurch gibt es eine Teepause. Dann bekommen wir alle Tee und der Lama sitzt auf seinem Tron und schlürft seinen Tee mit uns. Man hört ihn schmatzen, rölpsen, lachen. In ihm gibt es kein EGO was ihn denken läßt: „Ups ich habe gerölpst, oder so“. Jedes Teaching geht bis zu 3,5 Stunden. Alle sind dort und keiner geht bevor das Teching vorbei ist. Ich bin jedes Mal fasziniert von zwei Dingen: von seinem Wissen um scheinbar alles was mit dem Leben zu tun hat und davon, dass er 3,5 Stunden auf sienem Kissen sitzt, ohne einmal seine Beine ausstrecken zu müssen. Wer jemals die Gelegenheit hat ihn oder einen anderen Teacher (Lama) zu sehen, sollte es machen. Egal ob er beim Buddhismus landet oder nicht. diese Menschen sind nicht von dieser Welt.

Ach ja, ich bin dann doch geblieben. Zum Glück!