Ich bin jetzt etwas mehr als eine Woche im Kopan Kloster nahe Kathmandu zum vierwöchigen Retreat und möchte meine Erfahrungen der ersten Woche wiedergeben. Ich sitze gerade in einem kleinen feinen Cafe in den Bergen mit einem wunderbaren Blick über Kathmandu. Neben meinem Rechner steht ein frisch aufgesetzter Ingwertee und die Sonne steht am Himmel. Es ist einfach wunderbar und ich teile meine Freude mit allen die diesen Post lesen. Möget ihr auch happy sein egal wo ihr seit und welche Sorgen Euch sonst auf der Leben liegen.

Ankommen

Die Ankunft in Kathmandu über Dehli war recht gut. Der Flug verging wie im Fluge. Air India ist nicht uptodate dafür gab es reichlich Beinfreiheit und leckeres Essen. Vom Flughafen ging es dann mit dem Taxt direkt zum Kloster. Luftlinie vielleicht 20 Minuten. Direkte Fahrtzeit dank Schlaglöchern und einigen Kühen auf den Wegen etwas 45 Minuten. Von Leichtigkeit keine Spur im Gegenteil. Ich war sehr angespannt und ja wie wir meisten Westler eben so sind, gestresst von Gedanken und was weiß ich.

Es war also erleichternd in Kopan anzukommen. Kein Lärm wie in Kathmandu und kein Hupen. Ruhe und sonst nichts. Kindliche Vorfreude auf den Kurs war deutlich zu spüren. Kaum war ich aus dem Taxi gestiegen kamen zwei junge Mönche auf mich zu, schnappten sich meinen Rucksack und baten mich in die Rezeption. Formulare ausfüllen. Sie sagten kein Wort und verzogen keine Miene. Sie saßen einfach nur da und holten einen Ankömmling nach dem anderen in das bescheidene Büro. Nach 20 Minuten Schreibkram und Bezahlung mit VISA-Karte gab mir einer der Mönche meinen Schlüssel begleitete mich zu meinem Zimmer. Doppelzimmer mit einem WC und Dusche. Alles sehr spartanisch eben genauso viel wie es zum Leben braucht.
Mein Zimmergenosse saß bereits auf seinem Bett und hielt den Kopf in ein Buch. Ein schmächtiger Kerl
sah mich an und nickte. Ich nickte zurück. Total angespannt suchte ich meinen Tabak und verabschiedete mich auch gleich. Ging vor das Kloster und rauchte erstmal ein Kippchen. Die Sonne schien. Um etwas runter zu kommen wanderte ich etwas in der Gegend umher und genoss die Einsamkeit. Kontrasprogramm von der Anreise. Irgendwann ging ich zurück aufs Zimmer und übete mich in Small Talk mit meinem Zimmerbruder. Sein Name ist Quin er kommt aus Kalifornien und ist so wie er sagte schon eine Weile auf Tour gemeinsam mit seiner Frau. Ich muss gestehen es hat ein Paar Tage gedauert bis wir uns riechen konnten. Heute kann ich sagen er ist ein feiner Kerl und unsere Gemeinsamkeit gerne zu schlafen macht ihn zu einem angenehmen Zimmerbuddy.

Kursbesucher

Ausgehend von meinem ersten Kurs im April habe ich mit weniger Teilnehmern gerechnet. Aber siehe da, wa sind gut 100 Menschen mehr die sich vier Wochen aus dem Alltag geschlichen haben. Insgesamt sitzen wir nun mit 260 Menschen und jeweils einem Teacher in der großen bunten Gompa (Gebetshalle). Kaum zu glauben dass es so viele sind die sich auf den langen Weg nach Nepal gemacht haben und mehr oder weniger gerade sitzend den Worten der Teacher folgen. Viele Deutsche sind hier neben Amarikanern, Australiern, Kroaten, Spaniern und Franzosen. Manche kommen aus Indien von anderen Retreats andere wie ich haben ihren Job gekündigt und nehmen sich Zeit für das eigene Leben. Wie eine Tüte bunter Bonbons die irgendwie alle den gleichen Geschmack haben würde ich den Haufen guter und netter Menschen beschreiben. Alt und Jung, mit langem und kurzem Haar, manche auch ohne Haar, Mann und Frau. Einfach sehr angenehm.

Gedanken und Emotionen

Ich muss gestehen, dass ich mir die ersten Tage anders vorgestellt habe hinsicht Gedanken und Emotionen. Gedanlich fiel es mir nicht leicht runterzu.kommen. Mein Kopf kreiste und kreist zum Teil immer noch um so viele Dinge die ich erst vor kurzer Zeit hinter mir gelassen habe, also ich mich auf den Weg gemacht habe. Die größte Herausforderung für mich persönlich ist mit Moral und Verpflichtung zurecht zu kommen. Ich habe einige Tage gebraucht mir klar zu machen, dass ich das alles für mich mache und nicht für die Nonnen die uns unterrichten oder sonst wen. Auch denke ich viel an meine Mutter die schweren Herzen sich selbst überlassen habe und hoffe, dass es ihr im Moment gut geht. Ich denke viel an alte Kollegen und Arbeit im Generellen. Ich erwische immer wieder dabei wie Wut und Ablehnung in mir hochkochen aus welchen Gründen auch immer. Mit dem selbstauferlegten Stress tue ich mir vorallem der depressiven Episoden nichts Gutes. In den wenigen Tagen hatte ich sicherlich zwei Episoden mit den ich meinen inneren Kampf hatte. Ich will nach wie vor nicht wahrhaben, dass diese gruseligen Momente noch ein Teil meines Lebens sind. Um so dankbarer bin ich unserer Meditations-Nonne mit der ich gestern ein wunderbares Gespräch hatte. Im Grunde weiß ich was ich lassen muss um eben nicht mehr in diese Episoden zu schliddern. Aber was ich mir über viele Jahre antrainiert habe werde ich so schnell nicht los. Die Nonne „Anne Nandol“ Anne bedeutet Nonne im Tibetischen, sagte mir mit einem breiten Lächeln, dass ich das Leben wie eine große Urlaubsreise sehen sollte. Und ich sollte versuchen alles EASY zu nehmen und mich umhimmelswillen mit nichts zu stressen. Sie sagte mir, ich solle mir morgens vorstellen, dass ich heute sterben würde. Und sollte mir dazu mal den Gedanken machen wie ich meinen letzen Tag erleben wollte. Gestresst und voller Wut oder friedlich mit mir selbst umgehend und an andere denkend, die ebenso wie ich im Leid der Depression leben würden oder eben mit anderen Leiden. Sie sagte auch das immer nur eine Emotion in einem Moment existieren kann. Ich habe also die Wahl ob Wut oder Liebe. Im tibetischen Buddhismus bedeutet Liebe das man anderen und sich selbst wünscht Glücklich zu sein. Seid drei Tagen und ganz sicher auch mit Hilfe der Teachings versuche ich jeden Tag Mitgefühl mit mir und anderen zu haben und es klappt tatsächlich ganz gut. Gedanklich bin ich zwar noch weit von einem ruhigen Geist entfernd, aber emotional geht es mir gut. Alles andere wird sich zeigen. Ohne Fleiß kein Preis. Hauptsache das Leben ist wie Urlaub in dem man entspannt ist und in den wolkenlosen Himmel sehen kann. Ich drücke mir die Daumen meinen Dauerurlaub bis zum Ende meiner Tage zur Priorität eins machen zu können, wohlwissend dass es auch im Urlaub verregnete Tage gibt. Die Mönche, Nonnen und Lamas wissen schon warum die so viel sitzen und ihren Geist im Griff haben. Könnte ich ja schon etwas neidisch werden, aber das gibt schlechtes Karma – grins.

Tagesablauf und Sitzen

Der Tagesablauf ist nicht ohne. Im Grunde ist der ganze Tag von 5:30 Uhr bis abends 21:00 Uhr durchgetaktet. Es gibt nach jeder Malzeit eine Pause von etwa 1,5 bis 2 Stunden. Malzeiten gibt es genau drei am Tag. Vegetarisches Essen stets frisch zubereitet und einfach. Jeder wird satt behaupte ich jetzt einfach mal. Die erste Woche war für mich jedenfalls sehr anstrengend. Morgens um 5:30 geht jeder oder die meinten in die Gompa und macht 35 Verbeugungen. Wer nicht trainiert ist wie ich bekommt schon mal einen Schwindelanfall oder es wird einem schlecht. Auf die Knie, dann nach vorn rutschen und dann wieder das ganze zurück.
Nach einer halben Stunde hat man es dann geschafft und geht, wenn man kann zum Frühstück. Dort gibt es jeden Morgen Müsli mit einer Art Hirsebrei und richtig leckes Weisbrot mit Marmelade. Danach geht man auf sein Zimmer, läuft auf dem Klostergelände rum, Wäscht ab (Karma Yoga genannt) oder geht wie ich es meist tue vors Kloster und redet mit Teilnehmern über Dinge die einem gerade durch den Kopf schiessen. Trinkt einen Milchtee beim Local Teemann und raucht ein Kippchen oder auch nicht. Um 9 Uhr geht es dann weiter mit der ersten Teaching-Einheit. Das bedeutet wir sitzen alle in der Gompa und kleben an den Lippen einer Nonne die uns in tibetischen Buddhismus unterrichtet. Total easy und wirklich sehr amysant. Das Teaching geht bis 11:30 Uhr mit einer kleinen Unterbrechung mittendrin von etwa 15 Minuten. Westler halten es nicht lange aus und es sind so viele Informationen (auf Englisch) die man nicht so ohne weiteres in den Kopf bekommt. Da kann man sich Mühe geben so viel man will. Um 11:30 Uhr gibt es dann Mittagessen. Das bedeutet 2,5 Stunden frei. Auch hier kann man machen was man will. Das Essen ist sehr reichhaltig und schmackhaft. Ich selbst habe es mir jedoch abgewöhnt mittags zu essen. So komme ich leichter über den Tag ohne dicke Wampe mit der es sich noch schlechter sitzen läßt. Um 14 Uhr geht es dann weiter mit der Diskussionsrunde. Hier sitzen dann maximal 12 Menschen irgendwo auf dem Klostergelände und diskutieren über die Themen die wir im Teaching durchgenommen haben. Welche das sind, werde ich am Ende des Kurses genauer beschreiben und alle Teachings und Meditationen der vier Wochen für alle Interessierten zum Download zur Verfügung stellen. Ich kann nur jedem empfehlen mal reinzuhören und sich im Sitzen zu üben. Um 15 Uhr gehen alle in die Gompa zum zweiten Teaching des Tages. Im Grunde gibt es jeden Tag ein neues Thema zu dem unterrichtet wird. Von 16 Uhr bis 17 Uhr gibt es Tee. Auch hier kann jeder Teee trinken oder machen was er will. Ich persönlich habe die ersten 4 Tage in den Pausen geschlafen. Um 17 Uhr bis 18 Uhr gibt es dann eine Mediation und danach, also um 18 Uhr gibt es Abendessen. Zum Abendessen gibt es Suppe mit Nudeln und Brot. Ab 20 Uhr bis meist 21 Uhr gibt es eine abschließende Runde mit Gebeten und Mantras die es, so finde ich in sich haben. Mich persönlich berühren diese Momente sehr und ich denke anderen geht es ähnlich. Danach bin ich völlig fertig vom Sitzen und freue mich auf mein Bett.

Zum Thema Sitzen möchteich noch ein paar Zeilen schreiben. Es ist sehr anstrengend und so sehr ich bemühe habe ich nach einer WOche noch nicht meine Haltung gefunden. Wenn ich mich so umsehe geht es allen so. Jeder biegt und beugt sich. Ich bin ja mehr ein Freund von Rumliegen oder Wandern. Sitzen ist sowas von gar nicht mein Ding aber was solls. Wäre ja schräg wenn wir alle rumliegen würden. Obwohl die Decke der Gompa wirklich schön bemalt ist und wir alle immer etwas zu sehen bekämen. Es bleibt weiterhin eine der größten Übungen für mich allen Teachings und Meditationseinheiten zu folgen sowohl was die Anwesenheit angeht und das Geradesitzen. Allen Geübten gilt meine größte Erfucht und so bleibt der innere Wunsch dies zu können oder zumindest auszubauen. Was immer gut geht ist die Meditation am Morgen. Sowohl die Vertiefung als auch das Sitzen. Vielleicht liegt es daran, dass der Geist noch halb schläft und nicht über die unangenehmen Schmerzen am oberen Rücken nachdenken kann. Ich halte Euch auf dem Laufenden und wünsche allen einen wunderbaren Tag. Ob stehend, liegend oder sitzend. Namaste